Ausbildung am Bau braucht Tempo

Initiative Berufsausbildung Bau RLP tagt in Koblenz | Aktuelles

Ausbildung am Bau braucht Tempo

Wie zukunftsfähig ist die Berufsausbildung Bau in Rheinland-Pfalz? Diese Leitfrage zog sich durch die Sitzung der Initiative Berufsausbildung Bau RLP am 15. Januar in Koblenz. Vertreterinnen und Vertreter aus Kammern, Ausbildungszentren, Betrieben und Ministerium diskutierten offen über Fortschritte, Hemmnisse – und ganz konkrete Probleme aus dem Ausbildungsalltag. Das Fazit: Vieles ist auf einem guten Weg, doch an entscheidenden Stellen muss noch nachgebessert werden.

Neue Lehrpläne und Lehrinhalte: Einheitlich ja – aber praxisnah unter Berücksichtigung der Regionalität

Zum aktuellen Stand der neuen HPI-Lehrpläne der AO-Bau wurde berichtet, dass das erste Lehrjahr abgeschlossen ist, die Lehrpläne für das zweite Lehrjahr derzeit erarbeitet werden. Was die Lehrinhalte betrifft, sind einheitliche Skripten und konkrete Handlungsanleitungen für Ausbildungsbetriebe das Ziel.

Gleichzeitig wurde betont, dass regionale Besonderheiten, die Anforderungen spezialisierter Fachbetriebe sowie bereits vorhandene, qualitativ hochwertige Lehrunterlagen einzelner Ausbilder berücksichtigt werden sollten. Gerade in den Ausbildungszentren gibt es bewährte Materialien, die in die neuen Konzepte einfließen können.

Die Inhalte der neuen Wahlwochen stehen fest und sollen Anfang Februar veröffentlicht werden. Zehn Wochen sind vorgesehen, davon drei zur Wahl. Sie sind förderfähig, ersetzen die bisherigen Margenlehrgänge und ermöglichen eine gezielte, freiwillige Förderung der Auszubildenden außerhalb prüfungsrelevanter Inhalte. Der Versand der Lehrpläne ist für das erste Quartal geplant und Voraussetzung für einen Start der neuen Ausbildungsordnung im August.

Infrastruktur und Beschulung: Gute Ideen, große Hürden

Ein positives Signal kam aus Koblenz: Für die geplante Asphaltstraße im Rahmen der neuen Ausbildungsordnung liegt eine Förderzusage vor. Die Umsetzung ist in Planung, ab 2027 soll eine rund 80 Meter lange Ausbildungsstrecke zur Verfügung stehen.

Deutlich kritischer fiel die Diskussion zur Beschulung aus. Unterschiedliche Schulmodelle (Teilzeit- und Blockunterricht), mangelnde Abstimmung zwischen Schulen und Prüfungsausschüssen sowie inhaltliche Unterschiede im ersten Lehrjahr führen zu organisatorischem und finanziellem Mehraufwand für Betriebe und Auszubildende.

Besonders problematisch sind die starren Vorgaben der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD). Lange Schulwege sind für viele Auszubildende Alltag, obwohl kürzere Alternativen möglich wären. Ein geschilderter Praxisfall machte deutlich, dass kurzfristige Entscheidungen der ADD erhebliche Zusatzkosten für Betriebe verursachen können. Auch grenznahe Betriebe sind hiervon stark betroffen.

Die Runde machte deutlich: Betriebe und Ausbildungszentren haben aktuell keinen Einfluss auf den Beschulungsort – mit negativen Folgen für Kosten, Ausbildungsqualität und die Gewinnung neuer Auszubildender. Diese Problematik wurde ausdrücklich an das Ministerium herangetragen.

Digitalisierung: Chancen nutzen – Grundlagen sichern

Einigkeit bestand darin, dass digitale Lernformate und „Blended Learning“ künftig eine wichtige Rolle spielen müssen, insbesondere bei kleinen Azubi-Gruppen. Die technischen Voraussetzungen bei den Auszubildenden sind meist vorhanden, notwendig sind jedoch eine stabile digitale Infrastruktur sowie ausreichende Medienkompetenz in Schulen, Betrieben und Ausbildungszentren.

Gleichzeitig wurde darauf hingewiesen, dass digitale Konzepte nur dann funktionieren, wenn auch die Basics zuverlässig laufen. Ein Praxisbeispiel aus dem Straßenbau zeigte, dass technische Probleme beim Online-Unterricht schnell zu zusätzlichem Aufwand und Frust in den Betrieben führen können.

Die Berufsvalidierung spielt im Bauhandwerk bislang nur eine untergeordnete Rolle – bundesweit wie auch in Rheinland-Pfalz. Deutlich weiter ist man bei den digitalen Gesellenprüfungen: Die Handwerkskammern sind vorbereitet, theoretische Prüfungen können bereits digital durchgeführt werden, positive Erfahrungen liegen aus anderen Gewerken vor.

Der Austausch der Ausbildungszentren im neuen Arbeitskreis Überbetriebliche Zentren (ÜBZ) des ZDB wurde insgesamt positiv bewertet und wird zukünftig quartalsweise stattfinden.

Die Sitzung der Initiative Berufsausbildung Bau RLP zeigte klar: Die Bauausbildung steht vor wichtigen Weichenstellungen. Fortschritte bei Lehrplänen, Infrastruktur und Digitalisierung sind erkennbar. Gleichzeitig besteht dringender Handlungsbedarf bei Beschulung, Abstimmung und Flexibilität der Rahmenbedingungen. Entscheidend wird sein, gute Ansätze zügig und praxisnah umzusetzen.

Das nächste Treffen der Initiative findet am 13. August 2026 bei der HWK Pfalz in Kaiserslautern statt.